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Buch - Wer wir waren
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Roger Willemsen hatte vor seinem Tod an einem neuen Buch gearbeitet. Es sollte 'Wer wir waren' heißen und unsere Gegenwart betrachten - aus der Zukunft. Als Roger Willemsen im Sommer 2015 krank wurde, stellte er die Arbeit an diesem Buch ein. Zentrale Gedanken davon aber stecken in einer mitreißenden "Zukunftsrede", die zu seinem letzten öffentlichen Auftritt wurde. Sie ist nicht nur das melancholische Resümee und die brillante Analyse eines außergewöhnlichen Zeitgenossen, sondern zugleich das leidenschaftliche Plädoyer für eine "Abspaltung aus der Rasanz der Zeit". Sie ist ein Aufruf an die nächste Generation, sich nicht einverstanden zu erklären."Wir waren jene, die wussten, aber nicht verstanden, voller Informationen, aber ohne Erkenntnis, randvoll mit Wissen, aber mager an Erfahrung. So gingen wir, von uns selbst nicht aufgehalten."Roger WillemsenEs sind Fragen, um die uns "kein Navigationssystem herum manövriert", die Willemsen hier aufwirft. Es ist ein Glück, dass er sie uns hinterlassen hat. Katja Kraft Münchner Merkur 20161123Willemsen, RogerRoger Willemsen, geboren 1955 in Bonn, gestorben 2016 in Wentorf bei Hamburg, arbeitete zunächst als Dozent, Übersetzer und Korrespondent aus London, ab 1991 auch als Moderator, Regisseur und Produzent fürs Fernsehen. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Bayerischen Fernsehpreis und den Adolf-Grimme-Preis in Gold, den Rinke- und den Julius-Campe-Preis, den Prix Pantheon-Sonderpreis, den Deutschen Hörbuchpreis und die Ehrengabe der Heinrich-Heine-Gesellschaft. Willemsen war Honorarprofessor für Literaturwissenschaft an der Humboldt-Universität in Berlin, Schirmherr des Afghanischen Frauenvereins und stand mit zahlreichen Soloprogrammen auf der Bühne. Zuletzt erschienen im S. Fischer Verlag seine Bestseller 'Der Knacks', 'Die Enden der Welt', 'Momentum' und 'Das Hohe Haus'. Über sein umfangreiches Werk gibt Auskunft der Band 'Der leidenschaftliche Zeitgenosse', herausgegeben von Insa Wilke.Literaturpreise:Rinke-Preis 2009Julius-Campe-Preis 2011Prix Pantheon-Sonderpreis 2012Wilke, InsaInsa Wilke wurde 1978 in Bremerhaven geboren und lebt als Publizistin, Literaturkritikerin und Moderatorin in Frankfurt am Main. Sie veröffentlichte u.a. die Monographie 'Ist das ein Leben. Der Dichter Thomas Brasch' (2010) und 'Bericht am Feuer. Gespräche, E-Mails und Telefonate zum Werk von Christoph Ransmayr' (2014). 2010 übernahm sie die Programmleitung im Literaturhaus Köln und gab diese Tätigkeit zugunsten des freiberuflichen Arbeitens 2012 wieder auf. 2014 wurde sie mit dem Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik ausgezeichnet.

Anbieter: yomonda
Stand: 05.07.2020
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Tecta D51 Sessel Tecta
1.209,80 € *
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Gropius-Armlehnstuhl D51 Der Gropius-Armlehnstuhl D51 von Tecta und von Walter Gropius entworfen ist eine hübsch anzusehnende und gemütliche Sitzgelegenheit. Der D51 ist ein Designklassiker der Bauhaus-Ära und passt sich durch das schlichte Design an kann aber durch den gewählten Stoff auch einen starken Kontrast setzten. Er war der Sessel für das Vestibül des Fagus-Werkes in Alfeld 1910. Das Gestell besteht aus massiver Esche welches in natur schwarz oder weiß lackiert zur Auswahl steht. Bei den Flachpolsterkissen haben sie die Möglichkeit zwischen Stoff oder Leder zu wählen. Die Lederfarben finden Sie hier und die verschiedenen Stoffe und Farben können Sie hier als PDF herunterladen. Bitte geben Sie bei Ihrer Bestellung die gewünschte Stoffnummer im Nachrichtenfeld an. Sonderfarben sind auf Anfrage möglich. Für eine individuelle Beratung rund um die Kombinationsmöglichkeiten alle Ausführungen und Farben des Gropius-Armlehnstuhls kontaktieren Sie unverbindlich unser Verkaufsteam. Wir beraten Sie gerne! Der kreative Kopf hinter dem D51 ist der Designer "Walter Gropius" Walter Gropius Erfinder der Regeln entwarf 1910 den Gropius-Armlehnstuhl D51. Sessel und Bank für das Vestibül des Fagus-Werkes Alfeld 1910. Seine erste bedeutende architektonische Arbeit war das Fagus-Werk in Alfeld an der Leine das er zusammen mit Adolf Meyer baute. Dieser Fabrikbau gilt mit seiner Stahl- und Glasarchitektur als richtungsweisendes Werk der später sogenannten »Modernen Architektur« die in den 1920er-Jahren unter der Bezeichnung »Neues Bauen« oder »Neue Sachlichkeit« zum allgemeinen Begriff wurde. Das Fagus-Werk wurde im Juni 2011 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Gropius zum Begründer des Bauhauses: Er wurde 1919 auf Vorschlag Henry van de Veldes als dessen Nachfolger zum Direktor der Großherzoglich-Sächsischen Hochschule für Bildende Kunst in Weimar (Thüringen) ernannt und gab der neuen Schule den Namen »Staatliches Bauhaus in Weimar«. Gropius hatte das Amt des Direktors (zunächst in Weimar bis 1926 und danach in Dessau) inne. Ludwig Mies van der Rohe führte das Bauhaus bis zur Schließung 1933. Bei einem Besuch zu einer Kreditanfrage nach der Flucht aus der DDR im Fagus-Werk in Alfeld 1972 saßen Axel und Werner Bruchhäuser auf einer weißen Sesselgruppe im Vestibühl. Erst auf die insistierende Nachfrage ob der Sessel nicht auch von Gropius sei wurde ihm ein Buch über die Entstehung des Fagus-Werkes übergeben in dem er die Zeichnung von Gropius entdeckte. Eine Lizenzanfrage bei Ise Gropius in den USA wurde begeistert aufgegriffen. Im Laufe der Jahrzehnte ergab sich eine enge Freundschaft zuerst zu Ise Gropius und später zu deren Tochter Ati Gropius die am Black Mountain College bei Josef Albers studierte. Es war auch Ise Gropius die den Kontakt zwischen Marcel Breuer und Axel Bruchhäuser vermittelte. Der Hersteller des D51 ist das Traditionshaus TECTA Noch nie war Tradition so wertvoll wie heute. Das Unternehmen Tecta steht als Synonym für das Bauhaus – aber neu gedacht. Der Familienbetrieb wird heute von Axel Bruchhäuser und seinem Neffen Christian Drescher geleitet. Aufgabe und Verantwortung von Tecta sind die Erhaltung und Überprüfung der besten Ideen und Entwürfe der Moderne so wie sie am Bauhaus in Weimar oder Dessau entstanden sind. Darüber hinaus treibt Tecta der Wunsch an sie weiterzudenken zu verbessern und anzupassen. Wenn man ein Problem erkannt und verstandenhat kann man es lösen und weiterentwickeln – das ist Evolution. Neue Ansätze findet das Unternehmen beispielsweise durch innovative Materialien und Techniken. Trends sind austauschbar die Zyklen dafür werden immer kürzer. Ständige Produktwechsel sind unökologisch und unökonomisch. Die Aufgabe von Tecta ist es den Lebenszyklus guter Modelle zu verlängern in gesellschaftlicher wie ökologischer Hinsicht. So steht jedes Möbelstück von Tecta für einen zentralen Gedanken: Für zeitlose Modelle ist es nie zu früh oder spät – sie besitzen unvergänglichen Charakter. Der Gropius-Armlehnstuhl D51 ist und bleibt ein Klassiker unter den Bauhaus Modellen. Erkennungszeichen: 30 originale Entwürfe mit Bauhaus-Signet. Das »Original Bauhaus-Signet« für werkgetreue lizenzierte Reeditionen des Bauhaus-Archiv Berlin wird nur an wenige Produkte vergeben. Doch rund 30 Entwürfe – Stühle Tische Sessel und Sofas – tragen bei Tecta das begehrte Zeichen. Damit ist Tecta Führer im Bauhaus-Bereich für originalgetreue und lizenzierte Bauhaus-Reeditionen. Produktionsstandort seit 60 Jahren: Der Produktionsstandort liegt bis heute in Deutschland in Lauenförde an der Weser. Vorteil der Region und Lage ist vor allem die Nähe zu vielen Vorlieferanten der Möbelindustrie und zu Handwerksbetrieben. Denn Tecta setzt seit 60 Jahren vor allem auf eine traditionelle handwerkliche Herstellung und individuelle Anpassung der Produkte an die Wünsche der Kunden.

Anbieter: designwebstore
Stand: 05.07.2020
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Tecta D51-3 Sessel Tecta
2.645,00 € *
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Gropius-Bank D51-3 Die Dreisitzer Gropius-Bank D51-3 von Tecta und von Walter Gropius entworfen ist eine hübsch anzusehnende und gemütliche Sitzgelegenheit. Die D51-3 ist ein Designklassiker der Bauhaus-Ära und passt sich durch das schlichte Design an kann aber durch den gewählten Stoff auch einen starken Kontrast setzten. Sie war die Bank für das Vestibül des Fagus-Werkes in Alfeld 1910. Das Gestell besteht aus massiver Esche welches in natur schwarz oder weiß lackiert zur Auswahl steht. Bei den Flachpolsterkissen haben sie die Möglichkeit zwischen Stoff oder Leder zu wählen. Die Lederfarben finden Sie hier und die verschiedenen Stoffe und Farben können Sie hier als PDF herunterladen. Bitte geben Sie bei Ihrer Bestellung die gewünschte Stoffnummer im Nachrichtenfeld an. Sonderfarben sind auf Anfrage möglich. Für eine individuelle Beratung rund um die Kombinationsmöglichkeiten alle Ausführungen und Farben des Gropius-Armlehnstuhls kontaktieren Sie unverbindlich unser Verkaufsteam. Wir beraten Sie gerne! Der kreative Kopf hinter dem D51-3 ist der Designer "Walter Gropius" Walter Gropius Erfinder der Regeln entwarf 1910 die Dreisitzer Gropius-Bank D51-3. Sessel und Bank für das Vestibül des Fagus-Werkes Alfeld 1910. Seine erste bedeutende architektonische Arbeit war das Fagus-Werk in Alfeld an der Leine das er zusammen mit Adolf Meyer baute. Dieser Fabrikbau gilt mit seiner Stahl- und Glasarchitektur als richtungsweisendes Werk der später sogenannten »Modernen Architektur« die in den 1920er-Jahren unter der Bezeichnung »Neues Bauen« oder »Neue Sachlichkeit« zum allgemeinen Begriff wurde. Das Fagus-Werk wurde im Juni 2011 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Gropius zum Begründer des Bauhauses: Er wurde 1919 auf Vorschlag Henry van de Veldes als dessen Nachfolger zum Direktor der Großherzoglich-Sächsischen Hochschule für Bildende Kunst in Weimar (Thüringen) ernannt und gab der neuen Schule den Namen »Staatliches Bauhaus in Weimar«. Gropius hatte das Amt des Direktors (zunächst in Weimar bis 1926 und danach in Dessau) inne. Ludwig Mies van der Rohe führte das Bauhaus bis zur Schließung 1933. Bei einem Besuch zu einer Kreditanfrage nach der Flucht aus der DDR im Fagus-Werk in Alfeld 1972 saßen Axel und Werner Bruchhäuser auf einer weißen Sesselgruppe im Vestibühl. Erst auf die insistierende Nachfrage ob der Sessel nicht auch von Gropius sei wurde ihm ein Buch über die Entstehung des Fagus-Werkes übergeben in dem er die Zeichnung von Gropius entdeckte. Eine Lizenzanfrage bei Ise Gropius in den USA wurde begeistert aufgegriffen. Im Laufe der Jahrzehnte ergab sich eine enge Freundschaft zuerst zu Ise Gropius und später zu deren Tochter Ati Gropius die am Black Mountain College bei Josef Albers studierte. Es war auch Ise Gropius die den Kontakt zwischen Marcel Breuer und Axel Bruchhäuser vermittelte. Der Hersteller des D51-3 ist das Traditionshaus TECTA Noch nie war Tradition so wertvoll wie heute. Das Unternehmen Tecta steht als Synonym für das Bauhaus – aber neu gedacht. Der Familienbetrieb wird heute von Axel Bruchhäuser und seinem Neffen Christian Drescher geleitet. Aufgabe und Verantwortung von Tecta sind die Erhaltung und Überprüfung der besten Ideen und Entwürfe der Moderne so wie sie am Bauhaus in Weimar oder Dessau entstanden sind. Darüber hinaus treibt Tecta der Wunsch an sie weiterzudenken zu verbessern und anzupassen. Wenn man ein Problem erkannt und verstandenhat kann man es lösen und weiterentwickeln – das ist Evolution. Neue Ansätze findet das Unternehmen beispielsweise durch innovative Materialien und Techniken. Trends sind austauschbar die Zyklen dafür werden immer kürzer. Ständige Produktwechsel sind unökologisch und unökonomisch. Die Aufgabe von Tecta ist es den Lebenszyklus guter Modelle zu verlängern in gesellschaftlicher wie ökologischer Hinsicht. So steht jedes Möbelstück von Tecta für einen zentralen Gedanken: Für zeitlose Modelle ist es nie zu früh oder spät – sie besitzen unvergänglichen Charakter. Die Gropius-Bank D51-3 ist und bleibt ein Klassiker unter den Bauhaus Modellen. Erkennungszeichen: 30 originale Entwürfe mit Bauhaus-Signet. Das »Original Bauhaus-Signet« für werkgetreue lizenzierte Reeditionen des Bauhaus-Archiv Berlin wird nur an wenige Produkte vergeben. Doch rund 30 Entwürfe – Stühle Tische Sessel und Sofas – tragen bei Tecta das begehrte Zeichen. Damit ist Tecta Führer im Bauhaus-Bereich für originalgetreue und lizenzierte Bauhaus-Reeditionen. Produktionsstandort seit 60 Jahren: Der Produktionsstandort liegt bis heute in Deutschland in Lauenförde an der Weser. Vorteil der Region und Lage ist vor allem die Nähe zu vielen Vorlieferanten der Möbelindustrie und zu Handwerksbetrieben. Denn Tecta setzt seit 60 Jahren vor allem auf eine traditionelle handwerkliche Herstellung und individuelle Anpassung der Produkte an die Wünsche der Kunden.

Anbieter: designwebstore
Stand: 05.07.2020
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Jennys Geschichte, Hörbuch, Digital, 1, 270min
9,95 € *
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Fesselnde Mutter-Tochter-Geschichte, berührender Liebesroman und grandiose Epochenschilderung in einem, einfühlsam gelesen von Hannelore Hoger.Jenny, behütete Tochter aus wohlhabender Hamburger Familie, kommt nach Berlin, um Gesang zu studieren. Zum ersten Mal ist sie in der aufblühenden Stadt der goldenen Zwanzigerjahre ohne ihre dominante Mutter ganz auf sich allein gestellt. Da begegnet sie dem geistvollen Charmeur Björn Jonasson... Ein Buch voller Spannung, großer Gefühle und mit dem so unverwechselbaren Humor, der Barbara Noacks Leser immer wieder bezaubert und bewegt. Über die Sprecherin: Hannelore Hoger, geboren 1942 in Hamburg, wurde an der dortigen staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst zur Schauspielerin ausgebildet. Im Theater, in Kinofilmen und im Fernsehen, etwa als die bekannte Kommissarin Bella Block, begeisterte sie ihr Publikum. Für ihre Arbeit erhielt sie unter anderem den Adolf-Grimme-Preis. 1. Sprache: Deutsch. Erzähler: Hannelore Hoger. Hörprobe: http://samples.audible.de/bk/lmhe/000087/bk_lmhe_000087_sample.mp3. Digitales Hörbuch im AAX Format.

Anbieter: Audible
Stand: 05.07.2020
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Jadu - Weltenbrand Tour 2020
23,20 € *
zzgl. 5,95 € Versand

»Nachricht vom Feind«Auf ihrem Debütalbum »Nachricht vom Feind« verzahnt die Berliner Sängerin Jadu auf clevere Weise Gesellschaftskritik und martialische Stilfiguren, Dream Pop und subtile Erotik. Das Album ist das auf allen Ebenen hervorragende Ergebnis einer langjährigen musikalischen und menschlichen Suche.»Über den Kampf ins Spiel kommen« ist eine Phrase, die man vor allem aus dem Fußball kennt. Eleganz ist damit nicht gemeint, sondern jene angeblich deutschen Tugenden: Blutgrätsche, Selbstaufgabe, das Ziel ist der Weg. Mithin also ein Koordinatensystem, in dem der sportliche Wettkampf synonym für Krieg steht. »Nachricht vom Feind«, das Debütalbum der Berliner Sängerin und Songschreiberin Jadu, hat mit dieser Interpretationsebene gleichzeitig alles und nichts gemein.Die Songs auf diesem Album erzählen nicht zuletzt von den Kämpfen, welche Jadu aufpersönlicher und künstlerischer Ebene ausgefochten hat. Die Sängerin bedient sich dabei militärischer Metaphern und martialischer Stilfiguren, ihre Musik lebt aber ebenso von Zweifeln, einem virtuos betriebenen Spiel mit Antagonismen, von düsterer Erotik und derLust am Abgrund. So verdichtet Jadu vermeintliche Gegensätze auf bestechende Weise zueiner in dieser Form noch nicht gehörten Rockmusik.Im Grunde wird der Kampfbegriff auf »Nachricht vom Feind« umfassend musikalisch durchdekliniert, denn Kampf bedeutet natürlich auch: Zerrissenheit, Zwiespalt, Spannungszustand, Ambivalenz. »Ich habe mein bisheriges Leben überwiegend als Kampf empfunden«, sagt Jadu. »Die Schule war ein Kampf, die Liebe sowieso, ich habe um Freundschaften gekämpft, um Anerkennung, um die Liebe meines Vaters, um Selbstakzeptanz und einiges mehr. Darüber habe ich ein Faible für militärische Ästhetik entwickelt.« Das Militärische ist hier also eine Metapher für innere und äußere Kämpfe. Geboren in Bad Essen, Landkreis Osnabrück, will Jadu von Anfang an eigentlich immer nur raus: aus der Provinz, der Schule, den Umständen. Bad Essen ist eins jener Provinzkäffer, in denen es für Leute wie Jadu nicht mehr zu tun gibt als warten, bis man alt genug wird, um die beste Straße der Stadt zu nehmen ? also jene, die aus ihr hinausführt. Und so lässt sie das alles über sich ergehen, so lange es gesellschaftlich vorgegeben ist. Bricht dann die Schule ab, macht eine Ausbildung in Osnabrück. Aber ihre Sehnsucht ist größer alsOsnabrück. Viel größer.Jadu ist gerade einmal 19 Jahre alt, als sie all ihren Mut und ihre Sachen zusammenpackt und auf eigene Faust nach Berlin geht. »Wenn man sich für Kunst und Musik interessiert, ist Berlin der totale Sehnsuchtsort, wo alles brodelt«, sagt sie. »So habe ich mir das jedenfallsimmer vorgestellt.« Die Mutter hat Bedenken, in Kreuzberg würden immer die Autos brennen, was man in der Provinz eben so liest von der großen Stadt. Aber Jadu muss da jetzt hin!Keine Missverständnisse: Die Familie war und ist für Jadu ein Hort der Geborgenheit. Weitgehend ohne Vater aufgewachsen, haben ihre Mutter und ihre Schwester sie nachhaltig geprägt. Erstere ist Künstlerin, die Schwester Sängerin und Schlagzeugerin, Jadu hat oft mitihr zusammengearbeitet. In ihrer Kindheit waren die Soul-Platten der Mutter ebenso wichtig wie die Djembe-Trommeln des Vaters, auch wenn Jadu ihre Herzensmusik auf eigene Faust entdeckt: Die Schwester hörte Alicia Keys, Jadu natürlich Rammstein, Marilyn Manson,Marlene Dietrich, Wagner. Das alles: auf unterschiedliche Weise Kampfmusik. Auch Berlin ist zunächst ein Kampf: Jadu macht »irgendwelche Trotteljobs«, wie sie sagt. Arbeitet als Komparsin beim Film und in der Werbung, schließlich einige Jahre alsImmobilienmaklerin, ein Job, in dem es darum geht, die Konkurrenz auszustechen, schneller zu sein als die anderen, den Leuten kämpferisch Dinge anzupreisen. Viel wichtiger waren aber bereits damals die Bands, in denen sie schon in Osnabrück gespielt hatte, sowiegenerell Musik: ihre Gitarre, das Schlagzeug, ihr erstes Instrument überhaupt.Gesungen hat Jadu zunächst nur unter der Dusche zu Marilyn Manson, aber irgendwann wird diese Stimme tief in ihr immer deutlicher: Sie muss eigene Songs schreiben und sie natürlich auch selbst singen, irgendwo muss das alles ja mal hin. Musik ist ihr wahrer Sehnsuchtsort, ihre Erfüllung, das sollte jetzt mal ausformuliert werden. Sie beginnt also zu schreiben. Erst alleine, zu Hause am Computer, die Songs dieser Phase spielt sie niemandem vor, im Grunde beginnt hier bereits die Arbeit an »Nachricht vom Feind«.Die Musik, die Jadu im Kopf hat, gibt es da draußen nicht. Also muss sie sie selbst machen. Eine große Unterstützung auf diesem Weg ist ihr Ehemann, der Rostocker Rapper Marteria. Das sich gegenseitig befruchtende Verhältnis der Eheleute beschreibt Jadu nicht zuletzt in dem Song »Feldzug Berlin«: Ich hab Ausdauer, kann tagelang marschieren/Rostocks Hauptmann ist mein 1. Offizier/Flügel ausgebreitet, ich bin ein Lacin« singt sie da. Und das fließt nun alles in diese Songs: Ihre Liebe zu guten Film-Scores, zur klassischen Musik, zum Drama, zur großen Geste, zu martialischer Rockmusik. Dazu: Diese bildreiche, metaphorische Sprache, oft verklausuliert, immer auf den Punkt, geprägt von den eigenen Erfahrungen und denen der anderen. Die frühe Findungsphase mitgerechnet, arbeitet sie insgesamt dreieinhalb Jahre an »Nachricht vom Feind«. Als irgendwann alles geschrieben, vorproduziert und arrangiert ist, geht sie mit den Produzenten Ben DMA, Dead Rabbit und Nobodys Face ins Studio und bringt ihre Songs auf die große Leinwand. Die Streicher müssen echt sein, die Gefühle sind es sowieso: »Nachricht vom Feind« wird endgültig zum Leben erweckt.Und weil das alles ihr Baby ist, von Anfang bis zum Ende, gibt sie nichts aus der Hand: Jadu gründet eine Plattenfirma mit einer guten Freundin, die auch das Management übernimmt ? dem Zufall und vermeintlich guten Ratschlägen anderer soll hier nichts überlassen werden.Jadu hat stets ihren Instinkten vertraut, auch deshalb ist »Nachricht vom Feind« das Album geworden, das alles, was von Bad Essen bis hierhin passiert ist, in sich trägt und noch viel mehr.»Uniform« beginnt mit dem charakteristischen Knistern einer aufs Vinyl herabsinkenden Nadel, dieses wohlige Geräusch, das man unter tausend anderen jederzeit identifizieren kann. Man fühlt sich zu Hause. Dann symbolisieren bombastische Keyboardflächen von wagnerianischem Ausmaß das Autoritäre, was die meisten Leute mit Uniformen verbinden: erhaben, gebieterisch, hierarchisch. Dann kommt diese Stimme, in die Stille hinein, allen Raum ausfüllend: »Erster Mai, seh aus wie?n Löwe/Meine Haare auf Krawall gebürstet/Schellen um die Hand/Stell mich an die Wand/Will doch nur das du mich tröstest«, singt sie. Nicht nur hier ist es eine ironisch konnotierte, erotisch aufgeladene Symbolik. So verbindet Jadu Sadomaso-Fantasien mit substanzieller Gesellschaftskritik. Von diesem Spiel mit Gegensätzen und Abgründen lebt auch »Blitzkrieg«, ein Song über häuslichen Missbrauch: »Blitzkrieg, den niemand mitkriegt/Blaue Augen, seit es dich gibt/Blaue Augen seit ich dich lieb.« »Ich kenne so viele Leute, die Missbrauch erlebt haben«, sagt sie. »In der akuten Situation, ob familiär oder in der Beziehung, ist es oft sehr schwer, da irgendwie rauszukommen. Da hilft es nach meiner Erfahrung manchmal schon, sich überhaupt verstanden zu fühlen.«Auch »Todesstreifen«, ein Song über Depressionen, spielt mit Kriegs-Metaphern. »Du fühlst dich während einer Depression ja auch wie im Krieg«, sagt Jadu. »Du führst einen Krieg gegen dich selbst, und unbewusst auch gegen dein Umfeld«. Das erhabene »Friedliche Armee« singt Jadu dann gemeinsam mit ihrer Freundin und langjährigen musikalischen Wegbegleiterin Nessi. Der Song ist ein verklausulierter Umweltschutz-Appel aus der Sicht von Bäumen, aber da muss man überhaupt erst mal draufkommen. Auch hier wieder: Tod, Armeen, Krieg. Ein eleganter Schachzug, durch den Jadu ihre Themen camoufliert und vielschichtig interpretierbar hält. Die Musik, die Jadu zu diesen Themen geschrieben hat, nennt sie selbst Military Dream Pop und tatsächlich verdeutlicht dieser Begriff ganz gut, worum es hier geht: Ihre Leidenschaftfür industriellen Brachialrock verzahnt die sie auf treffliche Weise mit Dream-Pop-, barocker Gothik und Trip-Hop-Anklängen. So entsteht ein facettenreicher, im besten Sinne zeitloser Stilmix mit maximaler Pop-Sensibilität. Dankenswert auch, dass Jadu sich jener Form vongesanglicher Hochleistungsartistik verweigert, wie sie in diesem Land viel zu oft als Ausdruck tiefster Gefühle missverstanden wird. Die Sängerin ist ihren Themen verpflichtet, jedes Wort, jedes Hauchen, jeder Ton und jede Wendung unterstreichen ihr Anliegen, nichts lenkt davonab.Immer wieder erweist sich Jadu in diesen Songs als kompromisslose Grenzgängerin ohne Angst vor Tabubrüchen. »Sirenen & Wagner« etwa ist ein Song aus der Perspektive von ? ausgerechnet! ? Eva Braun, der Geliebten Adolf Hitlers. Wie es Jadu aber dann gelingt, dienaive, anhimmelnde Perspektive der zu Beginn der fatalen Affäre erst 17-jährigen Braun einzunehmen, macht den Song zu einer Metapher über die Kunst der Verführung. »Das ist natürlich ein krasses Beispiel, aber ich glaube, solche Beziehungen gibt es häufig«, sagt sie.»Solche Leute sind derart blind vor Liebe, dass sie dem Partner bis in den Tod folgen.« Auch hier also wieder: Missbrauch, nur auf eine andere Weise. Denn letztlich geht es in »Sirenen & Wagner« natürlich nicht nur um Eva Braun, sondern um uns alle, damals undheute. Die brandgefährliche, hochaktuelle Frage: Wie konnten Millionen von Menschen diesem Verführer auf den Leim gehen, wie funktioniert die fatale Psychologie der Massen? »Sind nun endlich auf ewig verbunden/Den Ring steckst du mir an/Mein letztes Geschenk an dich/Schenk dir mich und du schenkst mir Gift«, singt Jadu. Dieses Gift wirkt bis heute. Wir sind alle multiple Persönlichkeiten. Und Jadu ist eben eine starke Kämpferin mit einem Hang zur Melancholie. Musik ist ihr Schutzschild, ihre Uniform, wenn man so will. Und »Nachricht vom Feind« ist dann eben doch: ein erkämpfter Sieg. Zumindest für den Moment.

Anbieter: Konzertkasse
Stand: 05.07.2020
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Jadu - Weltenbrand Tour 2020
19,80 € *
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»Nachricht vom Feind«Auf ihrem Debütalbum »Nachricht vom Feind« verzahnt die Berliner Sängerin Jadu auf clevere Weise Gesellschaftskritik und martialische Stilfiguren, Dream Pop und subtile Erotik. Das Album ist das auf allen Ebenen hervorragende Ergebnis einer langjährigen musikalischen und menschlichen Suche.»Über den Kampf ins Spiel kommen« ist eine Phrase, die man vor allem aus dem Fußball kennt. Eleganz ist damit nicht gemeint, sondern jene angeblich deutschen Tugenden: Blutgrätsche, Selbstaufgabe, das Ziel ist der Weg. Mithin also ein Koordinatensystem, in dem der sportliche Wettkampf synonym für Krieg steht. »Nachricht vom Feind«, das Debütalbum der Berliner Sängerin und Songschreiberin Jadu, hat mit dieser Interpretationsebene gleichzeitig alles und nichts gemein.Die Songs auf diesem Album erzählen nicht zuletzt von den Kämpfen, welche Jadu aufpersönlicher und künstlerischer Ebene ausgefochten hat. Die Sängerin bedient sich dabei militärischer Metaphern und martialischer Stilfiguren, ihre Musik lebt aber ebenso von Zweifeln, einem virtuos betriebenen Spiel mit Antagonismen, von düsterer Erotik und derLust am Abgrund. So verdichtet Jadu vermeintliche Gegensätze auf bestechende Weise zueiner in dieser Form noch nicht gehörten Rockmusik.Im Grunde wird der Kampfbegriff auf »Nachricht vom Feind« umfassend musikalisch durchdekliniert, denn Kampf bedeutet natürlich auch: Zerrissenheit, Zwiespalt, Spannungszustand, Ambivalenz. »Ich habe mein bisheriges Leben überwiegend als Kampf empfunden«, sagt Jadu. »Die Schule war ein Kampf, die Liebe sowieso, ich habe um Freundschaften gekämpft, um Anerkennung, um die Liebe meines Vaters, um Selbstakzeptanz und einiges mehr. Darüber habe ich ein Faible für militärische Ästhetik entwickelt.« Das Militärische ist hier also eine Metapher für innere und äußere Kämpfe. Geboren in Bad Essen, Landkreis Osnabrück, will Jadu von Anfang an eigentlich immer nur raus: aus der Provinz, der Schule, den Umständen. Bad Essen ist eins jener Provinzkäffer, in denen es für Leute wie Jadu nicht mehr zu tun gibt als warten, bis man alt genug wird, um die beste Straße der Stadt zu nehmen ? also jene, die aus ihr hinausführt. Und so lässt sie das alles über sich ergehen, so lange es gesellschaftlich vorgegeben ist. Bricht dann die Schule ab, macht eine Ausbildung in Osnabrück. Aber ihre Sehnsucht ist größer alsOsnabrück. Viel größer.Jadu ist gerade einmal 19 Jahre alt, als sie all ihren Mut und ihre Sachen zusammenpackt und auf eigene Faust nach Berlin geht. »Wenn man sich für Kunst und Musik interessiert, ist Berlin der totale Sehnsuchtsort, wo alles brodelt«, sagt sie. »So habe ich mir das jedenfallsimmer vorgestellt.« Die Mutter hat Bedenken, in Kreuzberg würden immer die Autos brennen, was man in der Provinz eben so liest von der großen Stadt. Aber Jadu muss da jetzt hin!Keine Missverständnisse: Die Familie war und ist für Jadu ein Hort der Geborgenheit. Weitgehend ohne Vater aufgewachsen, haben ihre Mutter und ihre Schwester sie nachhaltig geprägt. Erstere ist Künstlerin, die Schwester Sängerin und Schlagzeugerin, Jadu hat oft mitihr zusammengearbeitet. In ihrer Kindheit waren die Soul-Platten der Mutter ebenso wichtig wie die Djembe-Trommeln des Vaters, auch wenn Jadu ihre Herzensmusik auf eigene Faust entdeckt: Die Schwester hörte Alicia Keys, Jadu natürlich Rammstein, Marilyn Manson,Marlene Dietrich, Wagner. Das alles: auf unterschiedliche Weise Kampfmusik. Auch Berlin ist zunächst ein Kampf: Jadu macht »irgendwelche Trotteljobs«, wie sie sagt. Arbeitet als Komparsin beim Film und in der Werbung, schließlich einige Jahre alsImmobilienmaklerin, ein Job, in dem es darum geht, die Konkurrenz auszustechen, schneller zu sein als die anderen, den Leuten kämpferisch Dinge anzupreisen. Viel wichtiger waren aber bereits damals die Bands, in denen sie schon in Osnabrück gespielt hatte, sowiegenerell Musik: ihre Gitarre, das Schlagzeug, ihr erstes Instrument überhaupt.Gesungen hat Jadu zunächst nur unter der Dusche zu Marilyn Manson, aber irgendwann wird diese Stimme tief in ihr immer deutlicher: Sie muss eigene Songs schreiben und sie natürlich auch selbst singen, irgendwo muss das alles ja mal hin. Musik ist ihr wahrer Sehnsuchtsort, ihre Erfüllung, das sollte jetzt mal ausformuliert werden. Sie beginnt also zu schreiben. Erst alleine, zu Hause am Computer, die Songs dieser Phase spielt sie niemandem vor, im Grunde beginnt hier bereits die Arbeit an »Nachricht vom Feind«.Die Musik, die Jadu im Kopf hat, gibt es da draußen nicht. Also muss sie sie selbst machen. Eine große Unterstützung auf diesem Weg ist ihr Ehemann, der Rostocker Rapper Marteria. Das sich gegenseitig befruchtende Verhältnis der Eheleute beschreibt Jadu nicht zuletzt in dem Song »Feldzug Berlin«: Ich hab Ausdauer, kann tagelang marschieren/Rostocks Hauptmann ist mein 1. Offizier/Flügel ausgebreitet, ich bin ein Lacin« singt sie da. Und das fließt nun alles in diese Songs: Ihre Liebe zu guten Film-Scores, zur klassischen Musik, zum Drama, zur großen Geste, zu martialischer Rockmusik. Dazu: Diese bildreiche, metaphorische Sprache, oft verklausuliert, immer auf den Punkt, geprägt von den eigenen Erfahrungen und denen der anderen. Die frühe Findungsphase mitgerechnet, arbeitet sie insgesamt dreieinhalb Jahre an »Nachricht vom Feind«. Als irgendwann alles geschrieben, vorproduziert und arrangiert ist, geht sie mit den Produzenten Ben DMA, Dead Rabbit und Nobodys Face ins Studio und bringt ihre Songs auf die große Leinwand. Die Streicher müssen echt sein, die Gefühle sind es sowieso: »Nachricht vom Feind« wird endgültig zum Leben erweckt.Und weil das alles ihr Baby ist, von Anfang bis zum Ende, gibt sie nichts aus der Hand: Jadu gründet eine Plattenfirma mit einer guten Freundin, die auch das Management übernimmt ? dem Zufall und vermeintlich guten Ratschlägen anderer soll hier nichts überlassen werden.Jadu hat stets ihren Instinkten vertraut, auch deshalb ist »Nachricht vom Feind« das Album geworden, das alles, was von Bad Essen bis hierhin passiert ist, in sich trägt und noch viel mehr.»Uniform« beginnt mit dem charakteristischen Knistern einer aufs Vinyl herabsinkenden Nadel, dieses wohlige Geräusch, das man unter tausend anderen jederzeit identifizieren kann. Man fühlt sich zu Hause. Dann symbolisieren bombastische Keyboardflächen von wagnerianischem Ausmaß das Autoritäre, was die meisten Leute mit Uniformen verbinden: erhaben, gebieterisch, hierarchisch. Dann kommt diese Stimme, in die Stille hinein, allen Raum ausfüllend: »Erster Mai, seh aus wie?n Löwe/Meine Haare auf Krawall gebürstet/Schellen um die Hand/Stell mich an die Wand/Will doch nur das du mich tröstest«, singt sie. Nicht nur hier ist es eine ironisch konnotierte, erotisch aufgeladene Symbolik. So verbindet Jadu Sadomaso-Fantasien mit substanzieller Gesellschaftskritik. Von diesem Spiel mit Gegensätzen und Abgründen lebt auch »Blitzkrieg«, ein Song über häuslichen Missbrauch: »Blitzkrieg, den niemand mitkriegt/Blaue Augen, seit es dich gibt/Blaue Augen seit ich dich lieb.« »Ich kenne so viele Leute, die Missbrauch erlebt haben«, sagt sie. »In der akuten Situation, ob familiär oder in der Beziehung, ist es oft sehr schwer, da irgendwie rauszukommen. Da hilft es nach meiner Erfahrung manchmal schon, sich überhaupt verstanden zu fühlen.«Auch »Todesstreifen«, ein Song über Depressionen, spielt mit Kriegs-Metaphern. »Du fühlst dich während einer Depression ja auch wie im Krieg«, sagt Jadu. »Du führst einen Krieg gegen dich selbst, und unbewusst auch gegen dein Umfeld«. Das erhabene »Friedliche Armee« singt Jadu dann gemeinsam mit ihrer Freundin und langjährigen musikalischen Wegbegleiterin Nessi. Der Song ist ein verklausulierter Umweltschutz-Appel aus der Sicht von Bäumen, aber da muss man überhaupt erst mal draufkommen. Auch hier wieder: Tod, Armeen, Krieg. Ein eleganter Schachzug, durch den Jadu ihre Themen camoufliert und vielschichtig interpretierbar hält. Die Musik, die Jadu zu diesen Themen geschrieben hat, nennt sie selbst Military Dream Pop und tatsächlich verdeutlicht dieser Begriff ganz gut, worum es hier geht: Ihre Leidenschaftfür industriellen Brachialrock verzahnt die sie auf treffliche Weise mit Dream-Pop-, barocker Gothik und Trip-Hop-Anklängen. So entsteht ein facettenreicher, im besten Sinne zeitloser Stilmix mit maximaler Pop-Sensibilität. Dankenswert auch, dass Jadu sich jener Form vongesanglicher Hochleistungsartistik verweigert, wie sie in diesem Land viel zu oft als Ausdruck tiefster Gefühle missverstanden wird. Die Sängerin ist ihren Themen verpflichtet, jedes Wort, jedes Hauchen, jeder Ton und jede Wendung unterstreichen ihr Anliegen, nichts lenkt davonab.Immer wieder erweist sich Jadu in diesen Songs als kompromisslose Grenzgängerin ohne Angst vor Tabubrüchen. »Sirenen & Wagner« etwa ist ein Song aus der Perspektive von ? ausgerechnet! ? Eva Braun, der Geliebten Adolf Hitlers. Wie es Jadu aber dann gelingt, dienaive, anhimmelnde Perspektive der zu Beginn der fatalen Affäre erst 17-jährigen Braun einzunehmen, macht den Song zu einer Metapher über die Kunst der Verführung. »Das ist natürlich ein krasses Beispiel, aber ich glaube, solche Beziehungen gibt es häufig«, sagt sie.»Solche Leute sind derart blind vor Liebe, dass sie dem Partner bis in den Tod folgen.« Auch hier also wieder: Missbrauch, nur auf eine andere Weise. Denn letztlich geht es in »Sirenen & Wagner« natürlich nicht nur um Eva Braun, sondern um uns alle, damals undheute. Die brandgefährliche, hochaktuelle Frage: Wie konnten Millionen von Menschen diesem Verführer auf den Leim gehen, wie funktioniert die fatale Psychologie der Massen? »Sind nun endlich auf ewig verbunden/Den Ring steckst du mir an/Mein letztes Geschenk an dich/Schenk dir mich und du schenkst mir Gift«, singt Jadu. Dieses Gift wirkt bis heute. Wir sind alle multiple Persönlichkeiten. Und Jadu ist eben eine starke Kämpferin mit einem Hang zur Melancholie. Musik ist ihr Schutzschild, ihre Uniform, wenn man so will. Und »Nachricht vom Feind« ist dann eben doch: ein erkämpfter Sieg. Zumindest für den Moment.

Anbieter: Konzertkasse
Stand: 05.07.2020
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Jadu - Weltenbrand Tour 2020
23,10 € *
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»Nachricht vom Feind«Auf ihrem Debütalbum »Nachricht vom Feind« verzahnt die Berliner Sängerin Jadu auf clevere Weise Gesellschaftskritik und martialische Stilfiguren, Dream Pop und subtile Erotik. Das Album ist das auf allen Ebenen hervorragende Ergebnis einer langjährigen musikalischen und menschlichen Suche.»Über den Kampf ins Spiel kommen« ist eine Phrase, die man vor allem aus dem Fußball kennt. Eleganz ist damit nicht gemeint, sondern jene angeblich deutschen Tugenden: Blutgrätsche, Selbstaufgabe, das Ziel ist der Weg. Mithin also ein Koordinatensystem, in dem der sportliche Wettkampf synonym für Krieg steht. »Nachricht vom Feind«, das Debütalbum der Berliner Sängerin und Songschreiberin Jadu, hat mit dieser Interpretationsebene gleichzeitig alles und nichts gemein.Die Songs auf diesem Album erzählen nicht zuletzt von den Kämpfen, welche Jadu aufpersönlicher und künstlerischer Ebene ausgefochten hat. Die Sängerin bedient sich dabei militärischer Metaphern und martialischer Stilfiguren, ihre Musik lebt aber ebenso von Zweifeln, einem virtuos betriebenen Spiel mit Antagonismen, von düsterer Erotik und derLust am Abgrund. So verdichtet Jadu vermeintliche Gegensätze auf bestechende Weise zueiner in dieser Form noch nicht gehörten Rockmusik.Im Grunde wird der Kampfbegriff auf »Nachricht vom Feind« umfassend musikalisch durchdekliniert, denn Kampf bedeutet natürlich auch: Zerrissenheit, Zwiespalt, Spannungszustand, Ambivalenz. »Ich habe mein bisheriges Leben überwiegend als Kampf empfunden«, sagt Jadu. »Die Schule war ein Kampf, die Liebe sowieso, ich habe um Freundschaften gekämpft, um Anerkennung, um die Liebe meines Vaters, um Selbstakzeptanz und einiges mehr. Darüber habe ich ein Faible für militärische Ästhetik entwickelt.« Das Militärische ist hier also eine Metapher für innere und äußere Kämpfe. Geboren in Bad Essen, Landkreis Osnabrück, will Jadu von Anfang an eigentlich immer nur raus: aus der Provinz, der Schule, den Umständen. Bad Essen ist eins jener Provinzkäffer, in denen es für Leute wie Jadu nicht mehr zu tun gibt als warten, bis man alt genug wird, um die beste Straße der Stadt zu nehmen ? also jene, die aus ihr hinausführt. Und so lässt sie das alles über sich ergehen, so lange es gesellschaftlich vorgegeben ist. Bricht dann die Schule ab, macht eine Ausbildung in Osnabrück. Aber ihre Sehnsucht ist größer alsOsnabrück. Viel größer.Jadu ist gerade einmal 19 Jahre alt, als sie all ihren Mut und ihre Sachen zusammenpackt und auf eigene Faust nach Berlin geht. »Wenn man sich für Kunst und Musik interessiert, ist Berlin der totale Sehnsuchtsort, wo alles brodelt«, sagt sie. »So habe ich mir das jedenfallsimmer vorgestellt.« Die Mutter hat Bedenken, in Kreuzberg würden immer die Autos brennen, was man in der Provinz eben so liest von der großen Stadt. Aber Jadu muss da jetzt hin!Keine Missverständnisse: Die Familie war und ist für Jadu ein Hort der Geborgenheit. Weitgehend ohne Vater aufgewachsen, haben ihre Mutter und ihre Schwester sie nachhaltig geprägt. Erstere ist Künstlerin, die Schwester Sängerin und Schlagzeugerin, Jadu hat oft mitihr zusammengearbeitet. In ihrer Kindheit waren die Soul-Platten der Mutter ebenso wichtig wie die Djembe-Trommeln des Vaters, auch wenn Jadu ihre Herzensmusik auf eigene Faust entdeckt: Die Schwester hörte Alicia Keys, Jadu natürlich Rammstein, Marilyn Manson,Marlene Dietrich, Wagner. Das alles: auf unterschiedliche Weise Kampfmusik. Auch Berlin ist zunächst ein Kampf: Jadu macht »irgendwelche Trotteljobs«, wie sie sagt. Arbeitet als Komparsin beim Film und in der Werbung, schließlich einige Jahre alsImmobilienmaklerin, ein Job, in dem es darum geht, die Konkurrenz auszustechen, schneller zu sein als die anderen, den Leuten kämpferisch Dinge anzupreisen. Viel wichtiger waren aber bereits damals die Bands, in denen sie schon in Osnabrück gespielt hatte, sowiegenerell Musik: ihre Gitarre, das Schlagzeug, ihr erstes Instrument überhaupt.Gesungen hat Jadu zunächst nur unter der Dusche zu Marilyn Manson, aber irgendwann wird diese Stimme tief in ihr immer deutlicher: Sie muss eigene Songs schreiben und sie natürlich auch selbst singen, irgendwo muss das alles ja mal hin. Musik ist ihr wahrer Sehnsuchtsort, ihre Erfüllung, das sollte jetzt mal ausformuliert werden. Sie beginnt also zu schreiben. Erst alleine, zu Hause am Computer, die Songs dieser Phase spielt sie niemandem vor, im Grunde beginnt hier bereits die Arbeit an »Nachricht vom Feind«.Die Musik, die Jadu im Kopf hat, gibt es da draußen nicht. Also muss sie sie selbst machen. Eine große Unterstützung auf diesem Weg ist ihr Ehemann, der Rostocker Rapper Marteria. Das sich gegenseitig befruchtende Verhältnis der Eheleute beschreibt Jadu nicht zuletzt in dem Song »Feldzug Berlin«: Ich hab Ausdauer, kann tagelang marschieren/Rostocks Hauptmann ist mein 1. Offizier/Flügel ausgebreitet, ich bin ein Lacin« singt sie da. Und das fließt nun alles in diese Songs: Ihre Liebe zu guten Film-Scores, zur klassischen Musik, zum Drama, zur großen Geste, zu martialischer Rockmusik. Dazu: Diese bildreiche, metaphorische Sprache, oft verklausuliert, immer auf den Punkt, geprägt von den eigenen Erfahrungen und denen der anderen. Die frühe Findungsphase mitgerechnet, arbeitet sie insgesamt dreieinhalb Jahre an »Nachricht vom Feind«. Als irgendwann alles geschrieben, vorproduziert und arrangiert ist, geht sie mit den Produzenten Ben DMA, Dead Rabbit und Nobodys Face ins Studio und bringt ihre Songs auf die große Leinwand. Die Streicher müssen echt sein, die Gefühle sind es sowieso: »Nachricht vom Feind« wird endgültig zum Leben erweckt.Und weil das alles ihr Baby ist, von Anfang bis zum Ende, gibt sie nichts aus der Hand: Jadu gründet eine Plattenfirma mit einer guten Freundin, die auch das Management übernimmt ? dem Zufall und vermeintlich guten Ratschlägen anderer soll hier nichts überlassen werden.Jadu hat stets ihren Instinkten vertraut, auch deshalb ist »Nachricht vom Feind« das Album geworden, das alles, was von Bad Essen bis hierhin passiert ist, in sich trägt und noch viel mehr.»Uniform« beginnt mit dem charakteristischen Knistern einer aufs Vinyl herabsinkenden Nadel, dieses wohlige Geräusch, das man unter tausend anderen jederzeit identifizieren kann. Man fühlt sich zu Hause. Dann symbolisieren bombastische Keyboardflächen von wagnerianischem Ausmaß das Autoritäre, was die meisten Leute mit Uniformen verbinden: erhaben, gebieterisch, hierarchisch. Dann kommt diese Stimme, in die Stille hinein, allen Raum ausfüllend: »Erster Mai, seh aus wie?n Löwe/Meine Haare auf Krawall gebürstet/Schellen um die Hand/Stell mich an die Wand/Will doch nur das du mich tröstest«, singt sie. Nicht nur hier ist es eine ironisch konnotierte, erotisch aufgeladene Symbolik. So verbindet Jadu Sadomaso-Fantasien mit substanzieller Gesellschaftskritik. Von diesem Spiel mit Gegensätzen und Abgründen lebt auch »Blitzkrieg«, ein Song über häuslichen Missbrauch: »Blitzkrieg, den niemand mitkriegt/Blaue Augen, seit es dich gibt/Blaue Augen seit ich dich lieb.« »Ich kenne so viele Leute, die Missbrauch erlebt haben«, sagt sie. »In der akuten Situation, ob familiär oder in der Beziehung, ist es oft sehr schwer, da irgendwie rauszukommen. Da hilft es nach meiner Erfahrung manchmal schon, sich überhaupt verstanden zu fühlen.«Auch »Todesstreifen«, ein Song über Depressionen, spielt mit Kriegs-Metaphern. »Du fühlst dich während einer Depression ja auch wie im Krieg«, sagt Jadu. »Du führst einen Krieg gegen dich selbst, und unbewusst auch gegen dein Umfeld«. Das erhabene »Friedliche Armee« singt Jadu dann gemeinsam mit ihrer Freundin und langjährigen musikalischen Wegbegleiterin Nessi. Der Song ist ein verklausulierter Umweltschutz-Appel aus der Sicht von Bäumen, aber da muss man überhaupt erst mal draufkommen. Auch hier wieder: Tod, Armeen, Krieg. Ein eleganter Schachzug, durch den Jadu ihre Themen camoufliert und vielschichtig interpretierbar hält. Die Musik, die Jadu zu diesen Themen geschrieben hat, nennt sie selbst Military Dream Pop und tatsächlich verdeutlicht dieser Begriff ganz gut, worum es hier geht: Ihre Leidenschaftfür industriellen Brachialrock verzahnt die sie auf treffliche Weise mit Dream-Pop-, barocker Gothik und Trip-Hop-Anklängen. So entsteht ein facettenreicher, im besten Sinne zeitloser Stilmix mit maximaler Pop-Sensibilität. Dankenswert auch, dass Jadu sich jener Form vongesanglicher Hochleistungsartistik verweigert, wie sie in diesem Land viel zu oft als Ausdruck tiefster Gefühle missverstanden wird. Die Sängerin ist ihren Themen verpflichtet, jedes Wort, jedes Hauchen, jeder Ton und jede Wendung unterstreichen ihr Anliegen, nichts lenkt davonab.Immer wieder erweist sich Jadu in diesen Songs als kompromisslose Grenzgängerin ohne Angst vor Tabubrüchen. »Sirenen & Wagner« etwa ist ein Song aus der Perspektive von ? ausgerechnet! ? Eva Braun, der Geliebten Adolf Hitlers. Wie es Jadu aber dann gelingt, dienaive, anhimmelnde Perspektive der zu Beginn der fatalen Affäre erst 17-jährigen Braun einzunehmen, macht den Song zu einer Metapher über die Kunst der Verführung. »Das ist natürlich ein krasses Beispiel, aber ich glaube, solche Beziehungen gibt es häufig«, sagt sie.»Solche Leute sind derart blind vor Liebe, dass sie dem Partner bis in den Tod folgen.« Auch hier also wieder: Missbrauch, nur auf eine andere Weise. Denn letztlich geht es in »Sirenen & Wagner« natürlich nicht nur um Eva Braun, sondern um uns alle, damals undheute. Die brandgefährliche, hochaktuelle Frage: Wie konnten Millionen von Menschen diesem Verführer auf den Leim gehen, wie funktioniert die fatale Psychologie der Massen? »Sind nun endlich auf ewig verbunden/Den Ring steckst du mir an/Mein letztes Geschenk an dich/Schenk dir mich und du schenkst mir Gift«, singt Jadu. Dieses Gift wirkt bis heute. Wir sind alle multiple Persönlichkeiten. Und Jadu ist eben eine starke Kämpferin mit einem Hang zur Melancholie. Musik ist ihr Schutzschild, ihre Uniform, wenn man so will. Und »Nachricht vom Feind« ist dann eben doch: ein erkämpfter Sieg. Zumindest für den Moment.

Anbieter: Konzertkasse
Stand: 05.07.2020
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Jadu - Weltenbrand Tour 2020
22,00 € *
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»Nachricht vom Feind«Auf ihrem Debütalbum »Nachricht vom Feind« verzahnt die Berliner Sängerin Jadu auf clevere Weise Gesellschaftskritik und martialische Stilfiguren, Dream Pop und subtile Erotik. Das Album ist das auf allen Ebenen hervorragende Ergebnis einer langjährigen musikalischen und menschlichen Suche.»Über den Kampf ins Spiel kommen« ist eine Phrase, die man vor allem aus dem Fußball kennt. Eleganz ist damit nicht gemeint, sondern jene angeblich deutschen Tugenden: Blutgrätsche, Selbstaufgabe, das Ziel ist der Weg. Mithin also ein Koordinatensystem, in dem der sportliche Wettkampf synonym für Krieg steht. »Nachricht vom Feind«, das Debütalbum der Berliner Sängerin und Songschreiberin Jadu, hat mit dieser Interpretationsebene gleichzeitig alles und nichts gemein.Die Songs auf diesem Album erzählen nicht zuletzt von den Kämpfen, welche Jadu aufpersönlicher und künstlerischer Ebene ausgefochten hat. Die Sängerin bedient sich dabei militärischer Metaphern und martialischer Stilfiguren, ihre Musik lebt aber ebenso von Zweifeln, einem virtuos betriebenen Spiel mit Antagonismen, von düsterer Erotik und derLust am Abgrund. So verdichtet Jadu vermeintliche Gegensätze auf bestechende Weise zueiner in dieser Form noch nicht gehörten Rockmusik.Im Grunde wird der Kampfbegriff auf »Nachricht vom Feind« umfassend musikalisch durchdekliniert, denn Kampf bedeutet natürlich auch: Zerrissenheit, Zwiespalt, Spannungszustand, Ambivalenz. »Ich habe mein bisheriges Leben überwiegend als Kampf empfunden«, sagt Jadu. »Die Schule war ein Kampf, die Liebe sowieso, ich habe um Freundschaften gekämpft, um Anerkennung, um die Liebe meines Vaters, um Selbstakzeptanz und einiges mehr. Darüber habe ich ein Faible für militärische Ästhetik entwickelt.« Das Militärische ist hier also eine Metapher für innere und äußere Kämpfe. Geboren in Bad Essen, Landkreis Osnabrück, will Jadu von Anfang an eigentlich immer nur raus: aus der Provinz, der Schule, den Umständen. Bad Essen ist eins jener Provinzkäffer, in denen es für Leute wie Jadu nicht mehr zu tun gibt als warten, bis man alt genug wird, um die beste Straße der Stadt zu nehmen ? also jene, die aus ihr hinausführt. Und so lässt sie das alles über sich ergehen, so lange es gesellschaftlich vorgegeben ist. Bricht dann die Schule ab, macht eine Ausbildung in Osnabrück. Aber ihre Sehnsucht ist größer alsOsnabrück. Viel größer.Jadu ist gerade einmal 19 Jahre alt, als sie all ihren Mut und ihre Sachen zusammenpackt und auf eigene Faust nach Berlin geht. »Wenn man sich für Kunst und Musik interessiert, ist Berlin der totale Sehnsuchtsort, wo alles brodelt«, sagt sie. »So habe ich mir das jedenfallsimmer vorgestellt.« Die Mutter hat Bedenken, in Kreuzberg würden immer die Autos brennen, was man in der Provinz eben so liest von der großen Stadt. Aber Jadu muss da jetzt hin!Keine Missverständnisse: Die Familie war und ist für Jadu ein Hort der Geborgenheit. Weitgehend ohne Vater aufgewachsen, haben ihre Mutter und ihre Schwester sie nachhaltig geprägt. Erstere ist Künstlerin, die Schwester Sängerin und Schlagzeugerin, Jadu hat oft mitihr zusammengearbeitet. In ihrer Kindheit waren die Soul-Platten der Mutter ebenso wichtig wie die Djembe-Trommeln des Vaters, auch wenn Jadu ihre Herzensmusik auf eigene Faust entdeckt: Die Schwester hörte Alicia Keys, Jadu natürlich Rammstein, Marilyn Manson,Marlene Dietrich, Wagner. Das alles: auf unterschiedliche Weise Kampfmusik. Auch Berlin ist zunächst ein Kampf: Jadu macht »irgendwelche Trotteljobs«, wie sie sagt. Arbeitet als Komparsin beim Film und in der Werbung, schließlich einige Jahre alsImmobilienmaklerin, ein Job, in dem es darum geht, die Konkurrenz auszustechen, schneller zu sein als die anderen, den Leuten kämpferisch Dinge anzupreisen. Viel wichtiger waren aber bereits damals die Bands, in denen sie schon in Osnabrück gespielt hatte, sowiegenerell Musik: ihre Gitarre, das Schlagzeug, ihr erstes Instrument überhaupt.Gesungen hat Jadu zunächst nur unter der Dusche zu Marilyn Manson, aber irgendwann wird diese Stimme tief in ihr immer deutlicher: Sie muss eigene Songs schreiben und sie natürlich auch selbst singen, irgendwo muss das alles ja mal hin. Musik ist ihr wahrer Sehnsuchtsort, ihre Erfüllung, das sollte jetzt mal ausformuliert werden. Sie beginnt also zu schreiben. Erst alleine, zu Hause am Computer, die Songs dieser Phase spielt sie niemandem vor, im Grunde beginnt hier bereits die Arbeit an »Nachricht vom Feind«.Die Musik, die Jadu im Kopf hat, gibt es da draußen nicht. Also muss sie sie selbst machen. Eine große Unterstützung auf diesem Weg ist ihr Ehemann, der Rostocker Rapper Marteria. Das sich gegenseitig befruchtende Verhältnis der Eheleute beschreibt Jadu nicht zuletzt in dem Song »Feldzug Berlin«: Ich hab Ausdauer, kann tagelang marschieren/Rostocks Hauptmann ist mein 1. Offizier/Flügel ausgebreitet, ich bin ein Lacin« singt sie da. Und das fließt nun alles in diese Songs: Ihre Liebe zu guten Film-Scores, zur klassischen Musik, zum Drama, zur großen Geste, zu martialischer Rockmusik. Dazu: Diese bildreiche, metaphorische Sprache, oft verklausuliert, immer auf den Punkt, geprägt von den eigenen Erfahrungen und denen der anderen. Die frühe Findungsphase mitgerechnet, arbeitet sie insgesamt dreieinhalb Jahre an »Nachricht vom Feind«. Als irgendwann alles geschrieben, vorproduziert und arrangiert ist, geht sie mit den Produzenten Ben DMA, Dead Rabbit und Nobodys Face ins Studio und bringt ihre Songs auf die große Leinwand. Die Streicher müssen echt sein, die Gefühle sind es sowieso: »Nachricht vom Feind« wird endgültig zum Leben erweckt.Und weil das alles ihr Baby ist, von Anfang bis zum Ende, gibt sie nichts aus der Hand: Jadu gründet eine Plattenfirma mit einer guten Freundin, die auch das Management übernimmt ? dem Zufall und vermeintlich guten Ratschlägen anderer soll hier nichts überlassen werden.Jadu hat stets ihren Instinkten vertraut, auch deshalb ist »Nachricht vom Feind« das Album geworden, das alles, was von Bad Essen bis hierhin passiert ist, in sich trägt und noch viel mehr.»Uniform« beginnt mit dem charakteristischen Knistern einer aufs Vinyl herabsinkenden Nadel, dieses wohlige Geräusch, das man unter tausend anderen jederzeit identifizieren kann. Man fühlt sich zu Hause. Dann symbolisieren bombastische Keyboardflächen von wagnerianischem Ausmaß das Autoritäre, was die meisten Leute mit Uniformen verbinden: erhaben, gebieterisch, hierarchisch. Dann kommt diese Stimme, in die Stille hinein, allen Raum ausfüllend: »Erster Mai, seh aus wie?n Löwe/Meine Haare auf Krawall gebürstet/Schellen um die Hand/Stell mich an die Wand/Will doch nur das du mich tröstest«, singt sie. Nicht nur hier ist es eine ironisch konnotierte, erotisch aufgeladene Symbolik. So verbindet Jadu Sadomaso-Fantasien mit substanzieller Gesellschaftskritik. Von diesem Spiel mit Gegensätzen und Abgründen lebt auch »Blitzkrieg«, ein Song über häuslichen Missbrauch: »Blitzkrieg, den niemand mitkriegt/Blaue Augen, seit es dich gibt/Blaue Augen seit ich dich lieb.« »Ich kenne so viele Leute, die Missbrauch erlebt haben«, sagt sie. »In der akuten Situation, ob familiär oder in der Beziehung, ist es oft sehr schwer, da irgendwie rauszukommen. Da hilft es nach meiner Erfahrung manchmal schon, sich überhaupt verstanden zu fühlen.«Auch »Todesstreifen«, ein Song über Depressionen, spielt mit Kriegs-Metaphern. »Du fühlst dich während einer Depression ja auch wie im Krieg«, sagt Jadu. »Du führst einen Krieg gegen dich selbst, und unbewusst auch gegen dein Umfeld«. Das erhabene »Friedliche Armee« singt Jadu dann gemeinsam mit ihrer Freundin und langjährigen musikalischen Wegbegleiterin Nessi. Der Song ist ein verklausulierter Umweltschutz-Appel aus der Sicht von Bäumen, aber da muss man überhaupt erst mal draufkommen. Auch hier wieder: Tod, Armeen, Krieg. Ein eleganter Schachzug, durch den Jadu ihre Themen camoufliert und vielschichtig interpretierbar hält. Die Musik, die Jadu zu diesen Themen geschrieben hat, nennt sie selbst Military Dream Pop und tatsächlich verdeutlicht dieser Begriff ganz gut, worum es hier geht: Ihre Leidenschaftfür industriellen Brachialrock verzahnt die sie auf treffliche Weise mit Dream-Pop-, barocker Gothik und Trip-Hop-Anklängen. So entsteht ein facettenreicher, im besten Sinne zeitloser Stilmix mit maximaler Pop-Sensibilität. Dankenswert auch, dass Jadu sich jener Form vongesanglicher Hochleistungsartistik verweigert, wie sie in diesem Land viel zu oft als Ausdruck tiefster Gefühle missverstanden wird. Die Sängerin ist ihren Themen verpflichtet, jedes Wort, jedes Hauchen, jeder Ton und jede Wendung unterstreichen ihr Anliegen, nichts lenkt davonab.Immer wieder erweist sich Jadu in diesen Songs als kompromisslose Grenzgängerin ohne Angst vor Tabubrüchen. »Sirenen & Wagner« etwa ist ein Song aus der Perspektive von ? ausgerechnet! ? Eva Braun, der Geliebten Adolf Hitlers. Wie es Jadu aber dann gelingt, dienaive, anhimmelnde Perspektive der zu Beginn der fatalen Affäre erst 17-jährigen Braun einzunehmen, macht den Song zu einer Metapher über die Kunst der Verführung. »Das ist natürlich ein krasses Beispiel, aber ich glaube, solche Beziehungen gibt es häufig«, sagt sie.»Solche Leute sind derart blind vor Liebe, dass sie dem Partner bis in den Tod folgen.« Auch hier also wieder: Missbrauch, nur auf eine andere Weise. Denn letztlich geht es in »Sirenen & Wagner« natürlich nicht nur um Eva Braun, sondern um uns alle, damals undheute. Die brandgefährliche, hochaktuelle Frage: Wie konnten Millionen von Menschen diesem Verführer auf den Leim gehen, wie funktioniert die fatale Psychologie der Massen? »Sind nun endlich auf ewig verbunden/Den Ring steckst du mir an/Mein letztes Geschenk an dich/Schenk dir mich und du schenkst mir Gift«, singt Jadu. Dieses Gift wirkt bis heute. Wir sind alle multiple Persönlichkeiten. Und Jadu ist eben eine starke Kämpferin mit einem Hang zur Melancholie. Musik ist ihr Schutzschild, ihre Uniform, wenn man so will. Und »Nachricht vom Feind« ist dann eben doch: ein erkämpfter Sieg. Zumindest für den Moment.

Anbieter: Konzertkasse
Stand: 05.07.2020
Zum Angebot
Jadu - Weltenbrand Tour 2020
24,20 € *
zzgl. 5,95 € Versand

»Nachricht vom Feind«Auf ihrem Debütalbum »Nachricht vom Feind« verzahnt die Berliner Sängerin Jadu auf clevere Weise Gesellschaftskritik und martialische Stilfiguren, Dream Pop und subtile Erotik. Das Album ist das auf allen Ebenen hervorragende Ergebnis einer langjährigen musikalischen und menschlichen Suche.»Über den Kampf ins Spiel kommen« ist eine Phrase, die man vor allem aus dem Fußball kennt. Eleganz ist damit nicht gemeint, sondern jene angeblich deutschen Tugenden: Blutgrätsche, Selbstaufgabe, das Ziel ist der Weg. Mithin also ein Koordinatensystem, in dem der sportliche Wettkampf synonym für Krieg steht. »Nachricht vom Feind«, das Debütalbum der Berliner Sängerin und Songschreiberin Jadu, hat mit dieser Interpretationsebene gleichzeitig alles und nichts gemein.Die Songs auf diesem Album erzählen nicht zuletzt von den Kämpfen, welche Jadu aufpersönlicher und künstlerischer Ebene ausgefochten hat. Die Sängerin bedient sich dabei militärischer Metaphern und martialischer Stilfiguren, ihre Musik lebt aber ebenso von Zweifeln, einem virtuos betriebenen Spiel mit Antagonismen, von düsterer Erotik und derLust am Abgrund. So verdichtet Jadu vermeintliche Gegensätze auf bestechende Weise zueiner in dieser Form noch nicht gehörten Rockmusik.Im Grunde wird der Kampfbegriff auf »Nachricht vom Feind« umfassend musikalisch durchdekliniert, denn Kampf bedeutet natürlich auch: Zerrissenheit, Zwiespalt, Spannungszustand, Ambivalenz. »Ich habe mein bisheriges Leben überwiegend als Kampf empfunden«, sagt Jadu. »Die Schule war ein Kampf, die Liebe sowieso, ich habe um Freundschaften gekämpft, um Anerkennung, um die Liebe meines Vaters, um Selbstakzeptanz und einiges mehr. Darüber habe ich ein Faible für militärische Ästhetik entwickelt.« Das Militärische ist hier also eine Metapher für innere und äußere Kämpfe. Geboren in Bad Essen, Landkreis Osnabrück, will Jadu von Anfang an eigentlich immer nur raus: aus der Provinz, der Schule, den Umständen. Bad Essen ist eins jener Provinzkäffer, in denen es für Leute wie Jadu nicht mehr zu tun gibt als warten, bis man alt genug wird, um die beste Straße der Stadt zu nehmen ? also jene, die aus ihr hinausführt. Und so lässt sie das alles über sich ergehen, so lange es gesellschaftlich vorgegeben ist. Bricht dann die Schule ab, macht eine Ausbildung in Osnabrück. Aber ihre Sehnsucht ist größer alsOsnabrück. Viel größer.Jadu ist gerade einmal 19 Jahre alt, als sie all ihren Mut und ihre Sachen zusammenpackt und auf eigene Faust nach Berlin geht. »Wenn man sich für Kunst und Musik interessiert, ist Berlin der totale Sehnsuchtsort, wo alles brodelt«, sagt sie. »So habe ich mir das jedenfallsimmer vorgestellt.« Die Mutter hat Bedenken, in Kreuzberg würden immer die Autos brennen, was man in der Provinz eben so liest von der großen Stadt. Aber Jadu muss da jetzt hin!Keine Missverständnisse: Die Familie war und ist für Jadu ein Hort der Geborgenheit. Weitgehend ohne Vater aufgewachsen, haben ihre Mutter und ihre Schwester sie nachhaltig geprägt. Erstere ist Künstlerin, die Schwester Sängerin und Schlagzeugerin, Jadu hat oft mitihr zusammengearbeitet. In ihrer Kindheit waren die Soul-Platten der Mutter ebenso wichtig wie die Djembe-Trommeln des Vaters, auch wenn Jadu ihre Herzensmusik auf eigene Faust entdeckt: Die Schwester hörte Alicia Keys, Jadu natürlich Rammstein, Marilyn Manson,Marlene Dietrich, Wagner. Das alles: auf unterschiedliche Weise Kampfmusik. Auch Berlin ist zunächst ein Kampf: Jadu macht »irgendwelche Trotteljobs«, wie sie sagt. Arbeitet als Komparsin beim Film und in der Werbung, schließlich einige Jahre alsImmobilienmaklerin, ein Job, in dem es darum geht, die Konkurrenz auszustechen, schneller zu sein als die anderen, den Leuten kämpferisch Dinge anzupreisen. Viel wichtiger waren aber bereits damals die Bands, in denen sie schon in Osnabrück gespielt hatte, sowiegenerell Musik: ihre Gitarre, das Schlagzeug, ihr erstes Instrument überhaupt.Gesungen hat Jadu zunächst nur unter der Dusche zu Marilyn Manson, aber irgendwann wird diese Stimme tief in ihr immer deutlicher: Sie muss eigene Songs schreiben und sie natürlich auch selbst singen, irgendwo muss das alles ja mal hin. Musik ist ihr wahrer Sehnsuchtsort, ihre Erfüllung, das sollte jetzt mal ausformuliert werden. Sie beginnt also zu schreiben. Erst alleine, zu Hause am Computer, die Songs dieser Phase spielt sie niemandem vor, im Grunde beginnt hier bereits die Arbeit an »Nachricht vom Feind«.Die Musik, die Jadu im Kopf hat, gibt es da draußen nicht. Also muss sie sie selbst machen. Eine große Unterstützung auf diesem Weg ist ihr Ehemann, der Rostocker Rapper Marteria. Das sich gegenseitig befruchtende Verhältnis der Eheleute beschreibt Jadu nicht zuletzt in dem Song »Feldzug Berlin«: Ich hab Ausdauer, kann tagelang marschieren/Rostocks Hauptmann ist mein 1. Offizier/Flügel ausgebreitet, ich bin ein Lacin« singt sie da. Und das fließt nun alles in diese Songs: Ihre Liebe zu guten Film-Scores, zur klassischen Musik, zum Drama, zur großen Geste, zu martialischer Rockmusik. Dazu: Diese bildreiche, metaphorische Sprache, oft verklausuliert, immer auf den Punkt, geprägt von den eigenen Erfahrungen und denen der anderen. Die frühe Findungsphase mitgerechnet, arbeitet sie insgesamt dreieinhalb Jahre an »Nachricht vom Feind«. Als irgendwann alles geschrieben, vorproduziert und arrangiert ist, geht sie mit den Produzenten Ben DMA, Dead Rabbit und Nobodys Face ins Studio und bringt ihre Songs auf die große Leinwand. Die Streicher müssen echt sein, die Gefühle sind es sowieso: »Nachricht vom Feind« wird endgültig zum Leben erweckt.Und weil das alles ihr Baby ist, von Anfang bis zum Ende, gibt sie nichts aus der Hand: Jadu gründet eine Plattenfirma mit einer guten Freundin, die auch das Management übernimmt ? dem Zufall und vermeintlich guten Ratschlägen anderer soll hier nichts überlassen werden.Jadu hat stets ihren Instinkten vertraut, auch deshalb ist »Nachricht vom Feind« das Album geworden, das alles, was von Bad Essen bis hierhin passiert ist, in sich trägt und noch viel mehr.»Uniform« beginnt mit dem charakteristischen Knistern einer aufs Vinyl herabsinkenden Nadel, dieses wohlige Geräusch, das man unter tausend anderen jederzeit identifizieren kann. Man fühlt sich zu Hause. Dann symbolisieren bombastische Keyboardflächen von wagnerianischem Ausmaß das Autoritäre, was die meisten Leute mit Uniformen verbinden: erhaben, gebieterisch, hierarchisch. Dann kommt diese Stimme, in die Stille hinein, allen Raum ausfüllend: »Erster Mai, seh aus wie?n Löwe/Meine Haare auf Krawall gebürstet/Schellen um die Hand/Stell mich an die Wand/Will doch nur das du mich tröstest«, singt sie. Nicht nur hier ist es eine ironisch konnotierte, erotisch aufgeladene Symbolik. So verbindet Jadu Sadomaso-Fantasien mit substanzieller Gesellschaftskritik. Von diesem Spiel mit Gegensätzen und Abgründen lebt auch »Blitzkrieg«, ein Song über häuslichen Missbrauch: »Blitzkrieg, den niemand mitkriegt/Blaue Augen, seit es dich gibt/Blaue Augen seit ich dich lieb.« »Ich kenne so viele Leute, die Missbrauch erlebt haben«, sagt sie. »In der akuten Situation, ob familiär oder in der Beziehung, ist es oft sehr schwer, da irgendwie rauszukommen. Da hilft es nach meiner Erfahrung manchmal schon, sich überhaupt verstanden zu fühlen.«Auch »Todesstreifen«, ein Song über Depressionen, spielt mit Kriegs-Metaphern. »Du fühlst dich während einer Depression ja auch wie im Krieg«, sagt Jadu. »Du führst einen Krieg gegen dich selbst, und unbewusst auch gegen dein Umfeld«. Das erhabene »Friedliche Armee« singt Jadu dann gemeinsam mit ihrer Freundin und langjährigen musikalischen Wegbegleiterin Nessi. Der Song ist ein verklausulierter Umweltschutz-Appel aus der Sicht von Bäumen, aber da muss man überhaupt erst mal draufkommen. Auch hier wieder: Tod, Armeen, Krieg. Ein eleganter Schachzug, durch den Jadu ihre Themen camoufliert und vielschichtig interpretierbar hält. Die Musik, die Jadu zu diesen Themen geschrieben hat, nennt sie selbst Military Dream Pop und tatsächlich verdeutlicht dieser Begriff ganz gut, worum es hier geht: Ihre Leidenschaftfür industriellen Brachialrock verzahnt die sie auf treffliche Weise mit Dream-Pop-, barocker Gothik und Trip-Hop-Anklängen. So entsteht ein facettenreicher, im besten Sinne zeitloser Stilmix mit maximaler Pop-Sensibilität. Dankenswert auch, dass Jadu sich jener Form vongesanglicher Hochleistungsartistik verweigert, wie sie in diesem Land viel zu oft als Ausdruck tiefster Gefühle missverstanden wird. Die Sängerin ist ihren Themen verpflichtet, jedes Wort, jedes Hauchen, jeder Ton und jede Wendung unterstreichen ihr Anliegen, nichts lenkt davonab.Immer wieder erweist sich Jadu in diesen Songs als kompromisslose Grenzgängerin ohne Angst vor Tabubrüchen. »Sirenen & Wagner« etwa ist ein Song aus der Perspektive von ? ausgerechnet! ? Eva Braun, der Geliebten Adolf Hitlers. Wie es Jadu aber dann gelingt, dienaive, anhimmelnde Perspektive der zu Beginn der fatalen Affäre erst 17-jährigen Braun einzunehmen, macht den Song zu einer Metapher über die Kunst der Verführung. »Das ist natürlich ein krasses Beispiel, aber ich glaube, solche Beziehungen gibt es häufig«, sagt sie.»Solche Leute sind derart blind vor Liebe, dass sie dem Partner bis in den Tod folgen.« Auch hier also wieder: Missbrauch, nur auf eine andere Weise. Denn letztlich geht es in »Sirenen & Wagner« natürlich nicht nur um Eva Braun, sondern um uns alle, damals undheute. Die brandgefährliche, hochaktuelle Frage: Wie konnten Millionen von Menschen diesem Verführer auf den Leim gehen, wie funktioniert die fatale Psychologie der Massen? »Sind nun endlich auf ewig verbunden/Den Ring steckst du mir an/Mein letztes Geschenk an dich/Schenk dir mich und du schenkst mir Gift«, singt Jadu. Dieses Gift wirkt bis heute. Wir sind alle multiple Persönlichkeiten. Und Jadu ist eben eine starke Kämpferin mit einem Hang zur Melancholie. Musik ist ihr Schutzschild, ihre Uniform, wenn man so will. Und »Nachricht vom Feind« ist dann eben doch: ein erkämpfter Sieg. Zumindest für den Moment.

Anbieter: Konzertkasse
Stand: 05.07.2020
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